

*Behandlungsansätze*
Eine erfolgreiche ADS Behandlung beginnt zuhause, sie sollte zuerst in
der Familie durch ein Überdenken des herkömmlichen Erziehungsstiles
beginnen. Die Geschwister und Eltern eines betroffenen ADS-Kindes müssen bereit sein, sich auf die besondere Situation einzustellen. Die Frage „ Was können wir in der Familie für das Kind tun?“ wird leider viel zu selten oder meist gar nicht gestellt.
Viele Eltern haben die Vorstellung, ADS-Kinder zu möglichst vielen
Therapien bringen zu müssen, um irgendwann erfolgreich zu sein, aber
gerade diese Haltung ist für die betroffenen Kinder alles andere als
günstig.
Sie brauchen immer eine Bezugsperson und können sich schlecht von einer Therapie auf die andere umstellen.
Die Mitarbeit der Eltern ist von Anfang an gefragt und sehr wichtig.
*Therapiebegleitende Elternarbeit:*
-Vermittlung eines konsequenten, aber verständnisvollen Erziehungsstiles mit
Vorbildfunktion der Eltern
-Erarbeitung einer gemeinsamen Sichtweise hinsichtlich der Ursachen des
AD(H)S und seiner Behandlungsmöglichkeiten
-Problemdefinition und Therapiemotivation
-Verständnis und Akzeptanz der Besonderheiten von Kindern und
Jugendlichen mit AD(H)S
-Gemeinsames Festlegen wichtiger Interventionsschritte im Therapieprogramm
-Arbeit mit Lob und Verstärkerplänen (materielle und ideelle Zuwendung)
-Beobachtungs- und Interaktionstraining
-Strukturierung im Tagesablauf mit Festlegung konkreter Zeiten für
bestimmte Tätigkeiten
-Selbständigkeit und Eigenverantwortung fördern mittels Tagesplänen und
schriftlich festgelegten häuslichen Pflichten
-Regelmäßige Familienkonferenzen zu festen Terminen, mindestens einmal
pro Woche, um den täglichen Kleinkrieg zu vermeiden, Disziplin und eine
selbstkritische Reflexion zu erlernen
-Lesen von Fachliteratur und Teilnahme an Selbsthilfegruppen und
Fortbildungen
* *
*Elterntraining AD(H)S*
Gute Ratgeberliteratur zu AD(H)S und Tipps, wie Eltern sich verhalten
sollten gibt es mittlerweile viele.
Leider fehlt in AD(H)S-Familien oft die Zeit, die Ruhe und die Kraft,
diese Programme ausgiebig zu studieren, um sie dann auch umsetzen zu können.
Eltern geraten an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Streit und Zank
nehmen überhand, obwohl bereits viel Kreativität und Einsatz in der
Erziehung erkennbar sind. Manchmal macht es auch die eigene Impulsivität schwer, Konflikte zur lösen.
Wie kann es im Alltag besser klappen? Welche positiven Ansätze gibt es
in der Familie schon und wo sehen wir "vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr"?
An diesem Punkt setzt das Elterntraining an.
Intensiv wird sich mit typischen Problemsituationen in AD(H)S- Familien
beschäftigt und individuelle Lösungswege, die auf erprobten Strategien
basieren, erarbeitet.
In den folgenden Wochen sollen diese in den Familien eingeführt werden.
Im Folgetreffen werden Erfolge und Schwierigkeiten besprochen.
Ziel dabei ist nicht nur das Störverhalten des Kindes zu Hause zu
reduzieren, sondern auch die positive Beeinflussung der
Eltern-Kind-Interaktion zu unterstützen.
Es hat sich als sehr positiv herausgestellt, wenn beide Elternteile am
Training teilnehmen.
* *
*Pharmakotherapie*
Überlegungen zu einer medikamentösen Therapie sollten angestellt werden, wenn der Leidensdruck bei den Betroffenen hoch ist und das Kind sich in einem sehr schlechten Zustand befindet. Das bedeutet, wenn zusätzlich ein Entwicklungsrückstand mit Teilleistungsschwächen besteht, das Kind extrem unruhig, störend ist und/oder vielleicht noch massive sekundäre Probleme der Aggressivität oder Verweigerung in einem solchen Maß zeigt, dass die Familie (und häufig auch die Schule) „einfach nicht mehr kann“.
Unter Umständen können andere therapeutische Maßnahmen erst wirksam greifen, wenn das Kind durch Medikation „erreichbar“ geworden ist. Vor einer Medikation ist dabei sehr wohl zu erwägen, ob die Medikamentengabe regelmäßig überwacht werden kann und ob das Kind auch seine Medikamente regelmäßig bekommt. Das Medikament der ersten Wahl bei Kinder mit ADS ist die Substanz Methylphenidat (MP), bekannt unter dem Namen Ritalin
und Medikinet. Ihr wichtigster Wirkstoff ist Methylphenidat, das jedoch kein Beruhigungsmittel, sondern eine Stimulanz ist.
Die bisher umfangreichste Untersuchung verschiedener Therapien bei ADS, die MTA-Studie (Multimodal Treatment of ADHD Study) aus den USA, hat gezeigt, dass diese Medikamente gerade bei einem ausgeprägten ADS die wirkungsvollste Therapie darstellen.
Denn sie gleichen den Mangel an Botenstoffen wie Dopamin im Gehirn aus, wodurch dieses Reize besser sortieren und verarbeiten kann. Im Detail stimuliert dieses Medikament die Ausschüttzung des Neurotransmitters Dopamin und Noradrenalin aus den präsynaptischen Vesikeln und hemmt die Wiederaufnahme von Dopamin in die präsynaptischen Nervenendigung durch Blockade des Dopamintransports.
Was verändert sich jetzt genau:
Die Stimulantien regulieren die Dysbalance im Neurotransmitterstoffwechsel zum einen und zum anderen verbessern sie die Aufmerksamkeitsfunktionen, Informations- und Wahrnehmungsverarbeitung.
Das Ergebnis:
Die ADS Kinder sind durch Nutzung dieses Therapiebausteins aufmerksamer, weniger sprunghaft oder impulsiv, konzentrierter, ruhiger und kontrollierter.
Auch wenn sich die neurobiologischen Bedingungen durch die medikamentöse Therapie positiv beeinflussen lassen und die Info-Verarbeitung besser angepasst ist, kann Medikation nicht alle Probleme wegzaubern.
Durch die Medikation wird man nicht schlauer, Medikamente sind kein IQ Puscher. Allerdings werden Lernleistungen oft besser, weil jetzt erst die individuellen Fähigkeiten umgesetzt werden können.
Die Medikation schafft für die ADS-Kinder mit ausgeprägter Problematik erst die Voraussetzungen, damit Kompensationsstrategien geübt und automatisiert werden können. Sie können genauso aufmerksam sein, bei der Sache bleiben, wie ihre Schulkameraden.
Dadurch, dass die Gehirnbereiche, welche speziell verhaltenssteuernd eingreifen, besser arbeiten können, müssen die Kinder, welche medikamentös behandelt werden, nicht mehr auf jeden Ablenkreiz reagieren.
Das Schriftbild verändert sich ebenfalls positiv, es wird meistens auffallend flüssig. Weiterhin zeigten die Kinder in Untersuchungen Verbesserungen in der Reaktionszeit, als auch im Kurzzeitgedächtnis und in der Verhaltenssteuerung.
Die Wirkung und die einzelnen Präparate wirken individuell sehr unterschiedlich, was eine auf das einzelne Kind zugeschnittene Dosierung und Auswahl verlangt. Manchmal ist es ein ganz bestimmtes Mittel, was gut wirkt.
Die Nebenwirkungen werden von der Medizin zwar nicht als schwerwiegend erachtet, sind jedoch von der Dosis abhängig und unterliegen der ständigen ärztlichen Kontrolle.
Obwohl MP bei Schulkindern ein gutes Wirkungsprofil mit relativ geringen Nebenwirkungen zeigt, ist die Medikation bei Kindern unter 6 Jahren problematisch und sollte nur in Ausnahmefällen durchgeführt werden.
Wenn für den Anfang nur noch eine Stimulanzientherapie weiterhilft
Es ist richtig, dass in wenigen Fällen eine medikamentöse Therapie am Anfang steht und stehen muss, weil erst nach dem Greifen der Medikamente andere wichtige Komponenten der Gesamttherapie überhaupt zur Wirkung kommen.
Das trifft insbesondere für die nicht wenigen Familien zu, die zugunsten ihrer Kinder bisher alles versucht haben, einschließlich Diät, Algentherapie, Addy plus, Haaranalysen, Festhaltetherapie, KISS Therapie, Kinesiologie, Tomatis Therapie und vieles mehr.
Eltern solcher Familien erkennen die Problematik des ADS zu spät und hoffen, den Empfehlungen anderer folgend, immer auf spontane oder in Aussicht gestellte Besserung. „Wenn das Kind erst in die Schule kommt, dann wird es sich schon ändern.“ „Das wächst sich aus.“
Auf diese oder ähnliche Weise werden sie von vielen getröstet. Aber bei ihren Kindern kommt es zu keiner Besserung, sondern im Gegenteil, in der Schule läuft alles auf eine Katastrophe zu. In einer solchen Situation kann es nicht verwundern, wenn Lehrer, Eltern und das betroffene Kind selbst resignieren. Ist es erst einmal so weit, führt an einer Veränderung der verqueren Schulsituation kein Weg mehr vorbei, eine Ausschulung bzw.
eine Rückversetzung drohen. Beide Optionen sind jedoch keine Lösung für das betroffene Kind.
In einem solchen Fall wird man sich nach einer gründlichen Diagnostik entschließen müssen, die Behandlung mit Medikamenten zu beginnen. Danach erst können neue Verhaltensweisen erlernt, ein anderer Erziehungsstil praktiziert und bestimmte Defizite beseitigt werden. Das trifft auch manchmal für das hypoaktive Kind mit dem für ihn typischen langen Leidensweg zu: Sind einzelne Symptome des ADS erst einmal ohne Erfolg mithilfe von Frühförderung, Logopädie, Ergotherapie, Klassenwiederholung, Kinesiologie, Musiktherapie, Reittherapie usw. behandelt worden, wird nach einer intensiven ADS-Diagnostik nur noch eine Stimulanzientherapie den Ausweg zeigen. Infolge einer ersten Wirkung, kann auf der Grundlage eines mehrdimensionalen Behandlungskonzepts weiter gearbeitet werden.
Nicht jedes ADS Kind benötigt eine Medikation und es sollte niemals nur isoliert eine Medikation erfolgen, sondern immer auch parallel dazu andere therapeutische Interventionen stattfinden.
Die Verhaltenstherapie
Die Verhaltenstherapie ist eine Sonderform der Psychotherapie, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen der Psychologie, der Medizin und der Neurobiologie basiert. Sie will den Betroffenen Kompetenzen verleihen für den Umgang mit ihren Problemen, deren Ursachen finden und Möglichkeiten zu deren Beseitigung vermitteln. Sie hat einen symptom-,
persönlichkeits- und milieuzentrierten Ansatz und betrachtet alle Symptome im Zusammenhang mit der betreffenden Person und deren Umgebung. Es wird also niemals nur ein Symptom allein bearbeitet, sondern immer das Kind oder der Jugendliche mit all seinen Fähigkeiten und Problemen als ganzes auf psychosozialer und psychosomatischer Ebene betrachtet.
Ziel jeder Verhaltenstherapie ist die vordergründige Besserung der Alltagsbewältigung durch Behandlung seelischer Verletzungen, um ein positives Selbstwertgefühl entwickeln zu können.
Schwerpunkte der Verhaltenstherapie:
-Die Beurteilung des eigenen Verhaltens und der Reaktion der anderen
richtig bewerten lernen,
-sich im Verhalten steuern lernen,
-sozialte Interaktionen üben, soziales Kompetenztraining,
-Problemlösefertigkeiten erwerben,
-das eigene Handeln erfolgreich kontrollieren können,
-Konflikte vermeiden,
-ein positives Selbstwertgefühl erlangen,
-über individuelle Fähigkeiten uneingeschränkt verfügen können.
Verhaltenstherapeutische Maßnahmen sind dabei:
-Sich Vorsätze geben: „Was will ich ändern?“ und deren Erfüllung
protokolarisch überprüfen,
-Selbsteinschätzung und Fremdwahrnehmung verbessern,
-unerwünschtes Denken oder Verhalten durch Stopp- Signal unterbrechen,
-sich entspannen lernen, Ruhe genießen können,
-mit Stress und Konflikten besser umgehen können,
-Wut kontrolieren und sozial angepasst abreagieren lernen,
-Selbstinstruktionstraining, d.h. sich selbst innerlich Befehle geben
und ausführen,
-sich loben lernen, seine Stärken genießen,
-Kritik annehmen und sich angemessen verteidigen lernen,
-irrationale und negative Gedanken abwenden und umfunktionieren,
-auf die Körpersprache der anderen reagieren lernen.
Verhaltenstherapie kann Erziehung nicht ersetzen, sondern unterstützt
die Eltern und ermöglicht ihnen eine erfolgreiche Erziehungsarbeit.
Weitere Therapiemethoden je nach Bedarf
*-Neurofeedback*
*-Psychomotorik*
*-Vermittlung von sensorischen Ansätzen für das häusliche Umfeld*
*-Sensorische Integrationstherapie durch Physiotherapeuten,
Ergotherapeuten oder *
* Motopäden*
*-Manuelle Therapie*
*-Spezielle Förderung bei Teilleistungsstörungen*
*-Prismenbrillen (Korrektur einer Winkelfehlsichtigkeit)*
*Die richtige ADS-Therapie auswählen: *
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Erst informieren, dann aussuchen.
Während früher ADS-Kinder trotz guter Intelligenz oft in ihrer Schullaufbahn zurückfielen, da ihr Störungsbild nicht erkannt wurde oder ausreichend behandelt werden konnte, haben Diagnostik und Therapie des ADS inzwischen wesentliche Fortschritte gemacht. Mit Recht darf man behaupten, dass sich heute ADS unter gewissen Voraussetzungen effizient und dauerhaft behandeln lässt. Damit Sie sich als Eltern eines betroffenen Kindes jedoch zusammen mit Ihrem Arzt für eine effektive Therapie des ADS entscheiden können, sollten Sie sich ausführlich informieren.
Gute, d.h. seriöse, wissenschaftlich fundierte Literatur finden Sie sowohl in Fachliteratur, Ratgebern als auch im Internet. Zu empfehlende Anlaufstellen, um erste Informationen einzuholen, bilden Selbsthilfegruppen und betroffene Eltern, die bereit sind, über ihre
Erfahrungen zu sprechen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Elternseminare oder Symposien über ADS zu besuchen.
Gerade deshalb, weil das öffentliche Interesse an ADS derzeit so groß ist, ist es sehr wichtig, dass Sie sich als Eltern vor Beginn jeder Therapie kritisch mit deren Für und Wider auseinander setzen und auch den Personenkreis informieren, der in die Therapie mit einbezogen werden soll.


